The new new journalism

How do you decide whom to interview?

Well, first off, don’t waste your time interviewing a guy if a woman is available. Guys don’t notice anything. I probably asked twenty of DiMaggio’s teammates about the party after the 1947 World Series at the Waldorf-Astoria. And they’d say, “Aw it was great! There was a band and everything was first-class. Joe was real happy that night!” Then I’d asked one of their wives to describe the party. And she’d say, “Yes, it was a wonderful party. But the flowers were dreadful. And the food was late. And Phil Rusotto’s mother came in wearing the oddest hat …” They know everything. Guys are hopeless.

[aus einem Interview mit Richard Ben Cramer]

Lese gerade die phantastischen Interviews, die Robert S. Boynton mit neunzehn amerikanischen Journalisten über deren Schreibgewohnheiten, Schreibmotivationen und Interviewtechniken geführt hat. Also Fragen wie “Wie kommen Sie auf Ihre Themen?”, “Wann, wo und wie lange schreiben Sie?”, “Wie gehen Sie mit Schreibblockaden um?”, “Wo führen Sie Ihre Interviews?”, “Wie bereiten Sie sich darauf vor?” undsoweiter. Befragt hat Boynton eine Reihe von nonfictional writers, die alle der Nachfolgegeneration des New Journalism angehören und für ihre Sachbücher und Reportagen monate- und manchmal jahrelang recherchieren. Die Interviews sind alle wahnsinnig interessant, besonders wenn man ab und zu selber schreibt und das Schreiben oft auch als Kampf [wahrscheinlich gegen sich selbst] empfindet. Außerdem und leider wird einem nochmal bewusster, dass diese Art von Journalismus in Deutschland quasi nicht existent ist. In welcher deutschsprachigen Zeitschrift kann man schon eine zwanzigseitige Reportage lesen, welche Redaktion würde dafür ein angemessenes Honorar bezahlen?

Robert S. Boynton: The new new journalism, 2005, 496 Seiten, € 10,99.
Eine Buchbesprechung gibt es auf freitag.de

Link | 14. 09.2009 |