The rest is noise

The rest is noise, die sehr gute und feuilletonistisch erzählte E-Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts von Alex Ross, ist nun auch bei Piper in deutscher Übersetzung erschienen. Auf der Verlagsseite findet sich folgende als Pressestimme des Deutschlandfunks verkleidete Frage:

Warum nur kann ein deutscher Autor nicht so erzählen wie Alex Ross?

a) Es gäbe sicherlich deutsche Autoren, die so erzählen könnten wie Alex Ross. Aber welcher Verlag würde dafür ein angemessenes Honorar bezahlen, wenn man nicht gerade ehemalige Viva-Moderatorin, Deutsch-Rapper oder renommierter Feuilletonredakteur in Festanstellung ist?
b) Den deutschen Verlag möchte ich außerdem sehen, der sich länger als fünf Minuten mit dem Gedanken trägt, eine siebenhundertseitige Musikgeschichte der E-Musik in sein Programm aufzunehmen.
c) Natürlich findet sich dann ein Verlag, wenn die siebenhundertseitige Musikgeschichte in den USA bereits ein Bestseller war.
d) Angenommen, ein deutscher Verlag ginge das ungeheure Wagnis ein, dann wahrscheinlich nur unter folgenden Voraussetzungen: Autorenhonorar 8000 Euro, Abgabetermin in fünf Monaten.
e) Welcher Autor, der eventuell so schreiben könnte wie Alex Ross, hätte Lust, sich darauf einzulassen? Es sei denn, er hat ein wahnsinniges Ego, dem noch die Buchveröffentlichung zur Extra-Selbstbestätigung fehlt, oder er ist, wie Alex Ross, beim New Yorker festangestellt und entsprechend finanziell abgesichert.
f) Andererseits: für 8000 Euro müsste ein freier Journalist 50 Artikel für überregionale Tageszeitungen oder 250 Artikel für die Spex schreiben. Dann vielleicht doch lieber ein genauso schlecht bezahltes Buch.
g) [Sorry für den Rant. Bin zur Zeit mal wieder extrem vom prekären Schreiberdasein angepisst.]

Link | 12. 11.2009 |