Edel

Der Handykauf treibt mich wie jedesmal, wenn ich mir ein Handy kaufen musste und wollte, in den Wahnsinn. Die Benutzung des deutschen Wortes “Handy” natürlich auch, aber daran hat man sich schon gewöhnt. Und gut, ich spreche nun mal Deutsch und man will sich mit seinen Mitmenschen und ein paar Ohnemenschen ab und zu verständlich verständigen. Über Handys, Gefühlszustände, Steuerbescheide und Gated Communities. Das iPhone kommt schon mal aus ideologischen Gründen nicht in Frage. Sich jetzt ein iPhone zu kaufen, wäre so ähnlich, wie jetzt nach Berlin zu ziehen. Eigentlich sogar so, wie jetzt nach Berlin zu ziehen und dort eine Galerie zu eröffnen. Oder ein Tagescafe in Kreuzkölln, in dem es dann Flammkuchen und Frozen Chai Latte gibt. Alternativ also vielleicht ein Android-Handy mit den Nachteilen: sieht scheiße aus und hat eine beschissene Kamera mit einer beschissenen Videoauflösung. Nachdem ich tausend Handy-Testberichte von heterosexuellen jungen Online-Redakteuren gelesen habe, deren Lieblingsadjektiv “edel” ist (sieht edel aus, ist edel verarbeitet, fühlt sich edel an, hat ein edles Aluminiumcase undsoweiter), möchte man sowieso alles nur noch scheiße und beschissen finden und steigt voll in die Hassspirale ein. Auch schlimm: Handy-Video-Reviews auf Youtube. Tipp für Reviewproduzenten-Einsteiger: Eure Finger sind faustgroß zu sehen, vielleicht also doch mal vorher zur Maniküre gehen und sich Hautfetzen, Nikotinverfärbungen und schrundige Nagelränder professionell entfernen lassen.

Link | 6. 09.2009 |