Being Bruce Weber

[“Ain’t nothing but the real thing” by Bruce Weber for Yves Saint Laurent Autumn/Winter 2010/11]

Schon immer: diese Hassliebe zu Bruce Weber. Als Person, für mich, ein großes Mysterium. Kein Beau, wie Peter Beard zum Beispiel, kein Fashiontyp im herkömmlichen Sinn, ein eher robuster, fülliger, bäriger Mann, der am liebsten das Gegenteil von sich selbst fotografiert: junge, schlanke, gut gebaute Amerikaner. Ganz ohne Art-Gallery-Ambitionen, wirkt zumindest so. Also auch nicht die Mapplethorpe-Leibovitz-Goldin-Schiene. Vielleicht ist das einfach nur sehr amerikanisch, diese Beständigkeit, diese an Verklärung grenzende Jugendverherrlichung, die mich gleichzeitig fasziniert und abstößt. Pursuit of beauty oder sowas, keine Ahnung. Schwarzweiß fotografierte Jungs, die noch nicht wissen, was sie wollen und noch weniger ahnen, was vor ihnen liegt: Das Leben zum Beispiel, inklusive den kostenlosen Zugaben Altern, Arbeit, Liebeskummer und Hüftspeck. Die Zeit, in der sie von Bruce Weber nicht mehr fotografiert und gefilmt werden, auch wenn sie noch so oft nackt in Flüsse springen. Muss man das Bruce Weber [wie ich] zum Vorwurf machen? Ein bisschen, aber trotzdem danke für die Illusion, dass Webers Fotos und Filme etwas mit meinem realen Leben zu tun haben könnten. Nobody does it better. [Plan: mit 500.000 Euro Verlagsvorschuss drei Jahre vor Ort in Webers Umfeld recherchieren, ständig mit ihm und seiner Lebensgefährtin (?) Nan Bush abhängen und eine fünfhundertseitige nonfiction novel über ihn schreiben. Einfach nur, um ihn zu verstehen.]

Charlie Rose interviewt Bruce Weber (Video)
Ingrid Sischy interviewt Bruce Weber

Link | 9. 02.2010 |